Große

Die große Glocke wird auch „Anna Maria“ genannt.

Gegossen: 1847 in Trient
Gießer: Bartholamaeus Chiappani
Gewicht: ca. 3.000 kg
Durchmesser: 171 cm
Ton: h

Diese Glocke läutet an den hohen Festtagen, bzw. am Vortag (13.00 Uhr) und Vorabend (Ave-Maria-Läuten) derselben. Außerdem läutet sie an den Donnerstagen (Todesangst-Christi-Läuten) nach dem abendlichen Ave-Maria-Läuten und an den Freitagen um 15.00 Uhr (Todesstunde Jesu), mit Ausnahme des Karfreitags. Auch das neue Jahr wird mit der Großen eingeläutet.

Diese Glocke konnte im ersten Weltkrieg als einzige im Marlinger Kirchturm bleiben und ist nicht eingeschmolzen und zu Kanonen verarbeitet worden. Ausschlaggebend hierfür war nicht ihre Größe (in der näheren Umgebung gibt es mehrere Glocken, die größer sind), sondern ihr außergewöhnlich schöner Klang.

Die Große wiegt ungefähr gleich viel, wie alle übrigen Glocken im Marlinger Kirchturm zusammen.

Die Marlinger Große ist auch eine bekannte Wetterglocke. Davon wird auch im Marlinger Dorfbuch auf Seite 196 erzählt:
Die „Groaße“, auch „Pfarrstier“ genannt, weil ihr Geläute bei Gewittern besonders wirksam war, wurde – so erzählt man sich – sogar vom „Pfeifer Huisele“, dem Hexenmeister aus Ratschings, gefürchtet. Dieser wurde in seinem Treiben, wenn er die bösen Wetter von der Raffeinwand oberhalb Tscherms loslassen wollte, durch das Glockengeläute daran gehindert. Er sagte dann: „Wenn die Tschermser Bockhörn, die Grießensteiner Goaßschellen, die Lananer Mooskuh und der Marlinger Pfarrstier nit warn, tat i uan Berg zum ondern schieben und gonz Tscherms untergehn lassen.“
Von den Forster Einwohnern weiß man den Spruch: „Wenn der Marlinger Pfarrstier brüllt und die Schloßgeißschellen klappern (die zwei Glöckchen der Schloßkapelle von Vorst), dann müssen die Wetter weichen.“

In der Meraner Zeitung vom 15. Juli 1903 ist auf Seite 5 Folgendes zu lesen:
Ein Unikum in der katholischen Christenheit ist nach ihrer Bestimmung die große, wohlklingende Glocke in Marling. Das Ableben eines Papstes wird in allen Gemeinden durch die größte Glocke angezeigt. Nur Marling macht da eine Ausnahme unter allen katholischen Gemeinden der fünf Weltteile. Hier darf für keinen Verstorbenen – also auch für den Heiligen Vater nicht – die große Glocke geläutet werden nach einem Beschluss der Gemeinde, welche Eigentümerin der Glocke ist und die auch für alle Kosten zur Wartung derselben aufzukommen hat.
Nur einmal ließ sich die Gemeinde überreden, einer Ausnahme zuzustimmen und zwar nach dem Tode des Papstes Gregor XVI. im Jahre 1846 durch den ehemaligen Pfarrer Anton Santer (Pfarrer in Marling 1822 – 1845, in der Folgezeit bis zu seinem Tode 1877 Dekan in Meran). Dieser überredete die Gemeindevertreter, die große Glocke zum Tode des Papstes zu läuten und es geschah. Aber merkwürdiger Zufall: bald darauf zersprang die große Glocke und das Volk betrachtete dieses Unglück als eine Strafe Gottes, dass das Gelöbnis der Gemeinde gebrochen wurde.
Die Glocke wurde 1847 neu gegossen, und kein Pfarrer wagte es – so der Bericht – bei großen Trauerfällen wie beim Tode des Papstes Pius IX. 1878 oder beim Tode der Kaiserin Elisabeth (1898) diese Trauerschaft durch das Läuten der großen Glocke kundzugeben.
Die Volkssage erzählt, dass vor urfürdenklichen Zeiten die Gemeinde Mais und Marling ihre großen Glocken austauschen wollten. Aber die Marlinger brachten ihre Glocke nur bis zur Brücke; weiter war der Wagen selbst mit Aufgebot alles Zugviehs des Dorfes nicht zu bringen. Die Glocke begann aber zu sprechen:
„Anna Maria hoaß i,
Alle Wetter weoaß i,
Alle Wetter vertreib i,
Auf dem Marlinger Turm bleib i.“
Diese Sage soll die Glocke zur wirksamsten Wetterglocke der Gegend machen.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf war man plötzlich darauf gespannt, wie sich der Marlinger Pfarrvikar auf die Todesnachricht von Papst Leo dem XIII. [+ 1903] verhalten würde:
Als am Montag (20. Juli) abends die große Glocke vom Meraner Stadtturme den Bewohnern den erfolgten Tod des Papstes Leo XIII. verkündete, der bald darauf jene von Mais folgte, war man allgemein gespannt auf das Geläut von Marling, da ja in dieser Gemeinde seit Jahrhunderten, wie wir schon früher mitteilten, für einen Toten die große Glocke nicht geläutet werden darf. Zur großen Überraschung erschollen bald darauf die majestätisch tönenden Klänge der großen Marlinger in die dunkle Nacht hinaus. Viele konnten es nicht glauben; man zog auf den Gereuten-Damm, um sich zu vergewissern. Wetten wurden geschlossen, aber es war die große Marlinger und wird nun wohl fürderhin den Tod jedes folgenden Papstes verkünden. Der gegenwärtige Pfarrer P. Anselm Pattis hat mit dem uralten Brauch gebrochen und damit sein ausschließliches Verfügungsrecht über die Kirchenglocken dokumentiert.

(entnommen aus „Chronik des Tourismusvereins Marling / Festschrift zum 110-jährigen Bestehen“ – Karl Greiter, 2012; Seite 27 und 28)

Große Glocke von Marling Große Glocke von Marling - Kreuzigungsgruppe Große Glocke von Marling - Hl. Petrus Große Glocke von Marling - Hl. Vigilius Große Glocke von Marling - Schriftzug des Glockengießers Bartholomäus Chiappani Große Glocke von Marling - Detail der Glockenkrone: Engel mit Posaune

Die Marlinger „Große“

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